Herrenalb und Umgebung - Historische Sammlung 1830-1930

 
 
       
   
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  Historische Sammlung
  1830-1930
  von Michael Arndt
  Bad Herrenalb
 
 

Kuriosa sind im Sinne dieser Website Raritäten, die durch gewollte oder nichtgewollte Abweichungen von üblichen Normen oder Denkweisen entstanden sind. Rein visuell drückt sich das in kreativen Prozessen oder in unbeabsichtigten Fehlleistungen aus. Eine Besonderheit, wenn auch seltene, stellt in diesem Zusammenhang die bewusste Bild-Manipulation dar. Sie hatte damals wie heute einen hohen Stellenwert. Simple Schreibfehler, siehe auch "Majenberg" statt "Mayenberg" (kleines Bild links), kamen hingegen häufiger vor.

Retuscheure, Bildbearbeiter oder Post Operatoren gab es schon immer seit es die Fotografie gibt. Im Zeitalter vor "Photoshop" entstanden fast alle Nachbearbeitungen direkt auf den Glasplatten-Negativen mittels Federmesser, Bleistift, Pinsel und Farben sowie in der Dunkelkammer während der Belichtung.

 

Bereits 1855 begeisterten das Publikum der zweiten Weltausstellung in Paris zwei Versionen des gleichen Portraits. Ein deutscher Fotograf zeigte die Möglichkeiten der Retusche und machte die Fotografie damit noch beliebter.

Möglichkeiten gab es viele. So wurden zum Beispiel verschiedene Negative übereinandergelegt und belichtet oder komplett neu zusammengesetzt, wodurch völlig neue Kompositionen entstanden – wie etwa Köpfe auf fremden Körpern. So geschehen um 1860 mit US-Präsident Abraham Lincoln, dessen Kopf auf den Körper des Politikers John Calhoun montiert wurde.  59)

Heute versteht man unter einer Fotomanipulation die Veränderung einer Fotografie unter Zuhilfenahme technischer Mittel, um einen fremden Sachverhalt vorzutäuschen.  19)

 
 
   
 
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"Photoshopper" der ersten Stunde und andere Kuriositäten

 
 
   
 
Illustration vor 1890:   Im Untertitel wird Herrenalb bereits mit dem Prädikat "Bad" versehen, obwohl es offiziell erst 1971 zum staatlich anerkannten Heilbad wurde. Der findige Herrenalber schmückte damit über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Druckerzeugnisse, insbesondere Ansichtskarten. Warum auch nicht? Schließlich gab es im Ort seit 1839 eine Kaltwasserheilanstalt und um 1900 weitere Badhotels, die Kuren, auch mit warmem Wasser, anboten.   47)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1897:   Nun wird die Wasserheilanstalt (in Bildmitte halbrechts) bereits als "Kurhaus" bezeichnet. Der erklärende Schriftzug dazu verschwindet leider auf dem Dach des Hauses im Vordergrund. Das ist nicht weiter kurios, aber das folgende Vergleichsfoto.   60)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1898:   Der Griff in die Trickkiste. Exakt dieselbe Vorlage, nur mit künstlichem Mondschein, statt des langweiligen Tageslichts.   60)
 
 
   
 
 
Inserat 1904:   Der beschriebene Umbau fand statt, jedoch ohne die linke vordere Haushälfte (drei große Fenster).   46)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1904 nach St. Germain-en-Laye, Frankreich :   Von dem Architektenentwurf zum Aus- und Umbau des Hotels Bellevue, siehe Inserat, wurde flugs eine schon fast fotorealistische Ansichtskarte gefertigt. Die Karte war auch im Umlauf, nur - die linke Haushälfte wurde nie gebaut.   61)
 
 
 

Text der obigen Karte an Mademoiselle Klara:

"Liebes Fräulein! Sie dürfen nicht böse sein dass ich Ihnen noch keinen Brief geschrieben habe. Ich habe riesig viel zu thun und thue nur was ich muss.

 

Schreiben Sie mir doch bitte recht bald wie es Ihnen geht und geben Sie den Brief an Frl. Sophie. Es grüsst Sie herzlichst Lenny Kutschera, Schulhaus Herrenalb"

Clever, besser die Herzensdame einen Brief schreiben lassen...

 
 
   
 
 
Inserat 1904:   Das haut ja den stärksten Kutscher vom Bock! Was Sie sehen, ist nicht die Hummelsburg in Herrenalb mit ihren Türmchen, sondern die Alte Brücke in Heidelberg, Blickrichtung Heiliggeistkirche. Wer das zu verantworten hatte, ist nicht überliefert.   42)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1906 nach Gaschurn, Tirol:   Dem geübten Auge des Fotografen bleibt nichts verborgen. Die beiden Personen links wurden nachträglich ins Bild eingefügt. Sie befinden sich etwa auf gleicher Höhe wie die sitzenden und sind offensichtlich etwas zu klein geraten. Außerdem sieht man beim Blick durch eine Lupe die Montagekanten. Die sitzende Gruppe weist auch einige Merkwürdigkeiten auf, die aber nicht zweifelsfrei eine Manipulation bestätigen. Nichts desto trotz ist die Plotzsägmühle auch heute noch ein lohnendes Ziel.   54)
 
 
   
 
Inserat ca. 1908:   Die Gesichtszüge von Ed. Wuesthoff-Vorster werden wohl beim Anblick des "Führers durch Herrenalb" entgleist sein. Ausgerechnet seine Nachbarn und Konkurrenten, die Gebr. Lacher, hatten eine Multibild-Ansichtskarte mit eingeschobenem Werbeblock anfertigen lassen.   62)
 
 
   
 
Karte ca. 1909:   Nur nach intensivem Hinschauen und Rätseln wird diese Perspektive erklärbar. Tipp: einen Spiegel zu Hilfe nehmen.   34)
 
 
   
 
Karte um 1910:   Die beiden Herrschaften waren wahrscheinlich nie in Herrenalb, denn sie wurden einkopiert. Der Weg, den es auch heute noch gibt, sieht eher aus wie ein Wolkenteppich ohne Struktur. Diese Karte gibt es noch vom selben Standpunkt in einer colorierten Version mit einem anderen Paar, wobei auf dem Weg eine kleine Unregelmäßigkeit erkennbar ist, die hier fehlt.   63)
 
 
   
 
Karte um 1910:   Hier sind die Proportionen nur mit dem Wohlwollen der damaligen Zeit zu erklären. Das rechte Gebäude, die Dependance des Hotels Kull, auch Villa Kull genannt, beginnt eigentlich gegenüber der hinteren Kante des linken Gebäudeteils, also keinesfalls so dicht und direkt gegenüber. Das erklärt auch, warum die Villa verhältnismäßig klein wirkt. Man sieht auch, dass sich die "Akazien Strasse", wie der Bernsteinweg früher hieß, durch diese künstliche Maßnahme um zwei Drittel verschmälert hat.   64)
 
 
   
 
Karte um 1911:   Ein Original, das modifiziert wurde, vergleichen Sie bitte mit der nächsten Karte. Hinweis: Beide Bilder, nicht aus dieser Collektion, wurden bereits erstmalig im "Bad Herrenalb Magazin - Herrenalber Fälschungen" 3/2017 gezeigt und die Entstehung der Fälschung erklärt.   34)
 
 
   
 
Karte mit Ursprung um 1911:   Diesmal war ein Top-Photoshopper, ein echter Profi am Werke. Fünf Personen, die zum Fotografen schauen, wurden nahezu perfekt entfernt und acht! neue hinzugefügt. Das Bild weist nun einen freundlichen und zielführenden Charakter, nämlich Interesse an der Kur Musik, auf. Sogar Schatten wurden neben den Personen hinzugefügt und die Wolkenbildung angepasst. Sehr wahrscheinlich ist die "überarbeitete" Version erst Anfang der 1920er Jahre entstanden, wo sie noch lange im Umlauf war.   65)
 
 
   
 
 
Karte gelaufen 1912:   Diese schöne Schwarzwälderin posiert vor einer gestalteten Kulisse, die bis zu den Häusern hin reicht. Der Wildbach an dieser Stelle etwa auf Höhe des Marienwegs ist schon etwas gewagt, da vollkommen fiktiv. Man sieht, dass es sich bei der Karte um eine Montage aus Zeichnung und Foto handelt, welche wohl die Romantiker ansprechen sollte.   66)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1922 nach Den Haag, Niederlande:   Fake News - Hier sollte ursprünglich Hannover gegründet werden, doch dann wurde sich kurzfristig umentschieden.   63)
 
 
   
 
Ausschnitt aus einer Kartenrückseite ca. 1922:   Mein lieber Hugo...   67)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1928:  "x-->  eben gut gegessen." Das glaubt man gerne. Der Flachbau (x) diente der Pension Zibold (rechts) als Speisesaal. Das Gästehaus im Hintergrund in Bildmitte wurde "passend gemacht", d.h. schräg von vorne aufgenommen und mit dem Einkopieren quasi um 90° nach links gedreht so dass statt der Gebäuderückseite die Front und eine Seitenansicht zu sehen sind. Das Bild wurde ebenfalls erstmalig im "Bad Herrenalb Magazin" Heft 2/2017 präsentiert, welches auch diese Fälschung aufgedeckt hat.   68)
 
 
   
 
Karte gelaufen 1930:   Noch eine besonders kuriose und gleichzeitig sehr dreiste Arbeit: Der komplette Gebäudekomplex des Hotels "Deutscher Hof", siehe Pfeil von oben in Bildmitte, wurde auf eine völlig andere Position gebracht. Dadurch verschwanden gleich mehrere Häuser, unter ihnen die Post. Wenn das mal nicht für Ärger gesorgt hat. Wohlmöglich gab es aber auch Leute, die über den Bilderstreich lachen konnten.   69)
 
 
   
 
 
 
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