Herrenalb und Umgebung - Historische Sammlung 1830-1930

 
 
       
   
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  Historische Sammlung
  1830-1930
  von Michael Arndt
  Bad Herrenalb
 
 

Das links abgebildete Buch ist ein Geschenk von Herrn Beutter an mich. Sein Urgroßvater Erhard war derjenige Schultheiß (Bürgermeister), der für Herrenalb 1887 das Stadtrecht von König Karl I. verliehen bekommen hat.

Das Buch ist in der ersten Auflage aus dem Jahr 1927. Stadtpfarrer Carl Seilacher hat es im Innenband "Seiner lieben Gemeinde Herrenalb gewidmet". Bereits im Vorwort spricht er vom Schwarzwaldkloster Herrenalb als einem "ansehnlichen Stück heimatlicher Kulturgeschichte". Das ist auch richtig so, doch ich sage, dass man das heutige Bad Herrenalb nicht nur auf die wenigen Klosterreste reduzieren sollte. Es gibt mannigfaltige alte Bauten, die zwar wesentlich jüngeren Datums sind, aber dennoch ihre ureigene Geschichte haben. Es ist eben die Summe aller historischen Bauten, welche zumindest einen Großteil der Attraktivität eines Ortes ausmachen.

 

Beseitigt man auch nur einen Teil davon, kann das Auswirkungen, z. B. auch auf den Fremdenverkehr haben. Neuere Bauten sind bestenfalls Ergänzungen zur alten Substanz, an der man sich nicht vergreifen sollte, denn wer will schon in einem substanzlosen Ort wohnen oder ihn besuchen?

Entgegen meiner Aussage zur "Eröffnung" der Website 2019, dass ich nicht vorhabe mich in städtische Belange einzumischen, wird das nun ab 02.11.2022 anders sein. Es werden künftig Gedanken von mir zu Themen, welche die Historie der Stadt Bad Herrenalb streifen, in kritischen Beiträgen geäußert.

Die Herrenalber erkennen hoffentlich bald, dass das Kapital ihrer Stadt, außer der Lage in herrlicher Natur, in der Bewahrung von heimatlicher Tradition und historischer Bausubstanz liegt!

 
 
   
 
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-3-     17.06.2023

 
 

Vorhabenbezogener Bebauungsplan "Kühler Brunnen" (Fortsetzung zu Teil -1 u. 2-)

Nach weiteren sieben Monaten gibt die Stadt bekannt, siehe auch Amtsblatt Nr. 24 der Stadt Bad Herrenalb vom 15.06.2023, dass der Bebauungsplan von 1984 "an vielen Stellen überholt sei und nicht mehr den Planungszielen der Stadt Bad Herrenalb entspräche". Nun denn... Die Flächen im Geltungsbereich "Kühler Brunnen" als "ungenutzte Brache" zu bezeichnen, ist schon etwas bemerkenswerter. In der Mitte wurden bereits stattliche Bäume gefällt und an der Ettlinger Straße rechts vom ehemaligen Wirtshaus wird dieses Schicksal noch den schönen alten Baumbestand ereilen. Dort befand sich sogar, was kaum jemand weiß, ein großer bewirtschafteter Garten (s. Bilder -1-).

Nein, die Brache ist in den Köpfen der Verantwortlichen. Wer sich die Pläne genauer ansieht wird feststellen, dass die geplanten Wohnhäuser Anleihen zu den sog. Stadtvillen/-häusern am Bernstein- und Rehteichweg aufweisen. Diese haben jedoch mit traditioneller Bauweise nichts mehr gemein.

 

Hallo, schon mal was von "Regionaler Baukultur" gehört? Die beteiligten Herrschaften sicher nicht. Es gibt Gegenden und Städte in Deutschland, die nicht einmal ein Prädikat "Bad" haben, wo selbst ein Garagendach nicht frei gestaltet werden darf. So viel Bevormundung wollen wir natürlich auch nicht. Aber ein Mindestmaß an traditionellem Stil sollte schon gegeben sein. Warum in aller Welt orientieren sich Herrenalber nicht an herausragenden Persönlichkeiten und deren Bauwerken in der eigenen Stadt, wie Stadtbaumeister Schnaitmann oder auch Architekt Zinser aus Karlsruhe, beide um 1900? Ganz früher war es der Schweizer Stil, dann der Bäderstil. Heute setzt man Bauten (weder Werke, noch stilvoll) in die erste Reihe, deren Identifikationswert = null ist.

Zum geplanten Abriss des Kühlen Brunnens sage ich nichts mehr, denn wenn die historisch gewachsene Verantwortung gut erhaltener Bausubstanz und alten Baumbeständen gegenüber immer wieder mit Füßen getreten wird, kann sich jeder über die Kompetenz gewisser Leute in der Stadt seine eigene Meinung bilden.

 
 
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-2-     10.11.2022

 
 

Vorhabenbezogener Bebauungsplan "Kühler Brunnen" (Ergänzung zu Teil -1-)

Um etwaigen Diskussionen zuvorzukommen, folgende Anmerkungen: Es ist richtig, dass bereits in der öffentlichen Bekanntmachung, siehe auch Amtsblatt Nr. 1/2 der Stadt Bad Herrenalb vom 14.01.2021 anhand eines Planes die Absicht bekundet wurde, die Gebäude des "Kühlen Brunnens" abzubrechen und durch mehrere Neubauten zu ersetzen. Dazu wurde weiter erläutert, dass die neuen Gebäude ein Seniorenhotel, sowie betreutes Wohnen mit Pflegeabteilung und weitere Einrichtungen aufnehmen.

Der jetzige im Amtsblatt Nr. 43 der Stadt Bad Herrenalb vom 27.10.2022 zur Auslage gebrachte Plan sieht jedoch anders aus. Es wird von einer "Ermöglichung der Konversion der Flächen des ehemaligen Hotels 'Kühler Brunnen' an der Ettlinger Straße" gesprochen. Leider kein einziges beschreibendes Wort, um was es sich genau handelt und welche Art von Neubauten vorgesehen sind.

 

Die entsprechen nämlich nicht mehr denen im ersten Entwurf. Klar, die äußeren Grenzen des räumlichen Geltungsbereiches sind dieselben geblieben, es ist aber kein Hinweis auf den Kern des Geschehens, dem geplanten Abriss des "Kühlen Brunnens", im begleitenden Text enthalten. Im Plan kann man allerdings mit einer starken Lupe erkennen, dass er "überbaut" werden soll.

Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, wurde der "Kühle Brunnen" zum Zwecke diesen abzureißen, von einer Ettlinger Firma gekauft.

Im oberen Teil des freien Geländes am Bleichweg wird bereits munter ausgeschachtet und in der Mitte sind die großen Bäume gefällt worden. Ein Baustellenschild weist auf das Vorhaben hin: "Hier entsteht ein ******-Haus."

Nicht jeder Bürger ist Experte, deshalb hätte mehr Information, sei es auch "nur" ein Vorentwurf, dem Projekt zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher gutgetan.

 
 
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-1-     02.11.2022

 
 

Vorhabenbezogener Bebauungsplan "Kühler Brunnen"

Aus gegebenem Anlass, insbesondere, da bei mir eine Schmerzgrenze überschritten ist, möchte ich meine unabhängige, persönliche Meinung kundtun:

Schon öfter wurde in jüngster Vergangenheit versucht, das Gesicht der Stadt Bad Herrenalb nicht annähernd nachhaltig, sondern wie ich meine nachteilig mit großen Projekten zu verändern, die jedoch glücklicherweise nicht zum Tragen kamen.

Die Bürger werden aktuell mit einem Projekt konfrontiert, dem eins der populärsten Häuser Bad Herrenalbs, dem Kühlen Brunnen, einer ehemaligen Gaststätte mit Hotelbetrieb, zum Opfer fallen soll.

Ein Argument, das immer wieder gebracht wird, ist Raum für Gewerbe und Wohnungen zu schaffen, um dadurch mehr (Steuer-)einnahmen generieren zu können.

 

Das ist legitim, aber eben nicht um jeden Preis.

Immerhin hat die Stadtverwaltung aus diversen Fehlern gelernt und bietet dem Bürger an, frühzeitig zu dem Bebauungsplan (abgedruckt im Amtsblatt der Stadt Nr. 43 und öffentlich ausgelegt vom 02. Bis 16. November 2022 im Rathaus/Bauamt) Bedenken und Anregungen mitzuteilen. Das sind 14 Tage, die hoffentlich zahlreich genutzt werden.

Nun beginne ich genauso "frühzeitig" mit meinen Ausführungen, allerdings mit längerer Auslage als 14 Tage.

Da während der letzten Jahrzehnte in der Stadt viele Abrisse, Neu- und Umbauten prächtiger alter Hotels, Heime, Häuser und Villen stattfanden und selbst mit Freiflächen suboptimal umgegangen wurde (bei nur wenigen positiven Beispielen), spreche ich jetzt und auch künftig nur noch von SCHADENSBEGRENZUNG. Zu groß sind die Sünden der Vergangenheit.

 
 
 

Gasthaus und Hotel Kühler Brunnen

 
 
   
 
Inserat von 1904   46)
 
 
 

 
 
Ausschnitt aus einer Ansichtskarte von 1909, auf der Rückseite beschrieben von Frida Eilbert   36)
 
 
 

In einen Reise-, bzw. Stadtführer erhält das Anwesen erstmals 1890 Einzug: "Am 'kühlen Brunnen' sind wir inzwischen angelangt, an der ersten Herberge, die den Fremden gewidmet ist. Nur noch 1 km Wegs haben wir bis zum Orte selbst zurückzulegen." 47)

Genau, das war noch die Zeit der mit Pferden bespannten Kutschen.

 

 
      46)    
 

W. Schramm schreibt 1983:

"Erbaut wurde das Gasthaus zum Kühlen Brunnen nach Eintragung im Güterbuch beim Notariat im Jahre 1875 durch Schreinermeister Karl Eilbert. Der Name 'Zum kühlen Brunnen' ist auf die Quelle hinter dem Gasthof zurückzuführen. Von dieser Quelle aus wurden lange Zeit die in der Nähe entstandenen Häuser mit Wasser versorgt. […] Die Quelle mündet heute in ein gut gepflegtes, von einer Mauer umgebenes Becken. Im Jahre 1918 wurde das Haus von den Eheleuten Karl Pfeiffer aus Wildbad und Frau Juliane geb. Eilbert, der Tochter von Karl Eilbert, gekauft. […]

 

Das ehemalige Gasthaus 'Kühler Brunnen' hat sich im Laufe der Zeit zu einer angesehenen Pension mit einem gut frequentierten Hotel an der Ettlinger Straße entwickelt. Es ist ein bevorzugtes Familienhaus in gut gepflegtem Garten mit freiem Ausblick auf die Falkensteinfelsen. Es war und ist bekannt für eine gute Küche und einem Keller mit gepflegten Weinen. Das Gasthaus 'Kühler Brunnen' wurde 1892 durch einen Anbau erweitert. Das getrennt stehende Haus links vom Hotel war 1888 ursprünglich als Badhäuschen errichtet worden. Eine spätere Erweiterung erfuhr das Hotel (1975/76) durch ein Gästehaus mit modernen Hotel- und Fremdenzimmern." 51)

 
 
   

Man muss sich vergegenwärtigen, dass der Kühle Brunnen bereits während der Amtszeit (1854 bis 1891) von Schultheiß Erhard Beutter im Jahr 1875 erbaut wurde. Das war 12 Jahre bevor Herrenalb das Stadtrecht erhielt (1887).

Die Grünanlagen der ehemaligen Gartenwirtschaft, siehe auch das Schild im Bild unten, existieren heute noch. Diese sollen ebenfalls verschwinden und mit Neubauten versehen werden.

Was würde wohl Erhard Beutter dazu sagen?

 
 
Inserat von 1930   56)
 
 
   
 
Ansichtskarte von Anfang der 1930er Jahre. Besitzer des Kühlen Brunnens war K. Pfeiffer. Man beachte das Schild "Gartenwirtschaft".   54)
 
 
 

Der Kühle Brunnen, ein Haus, das nicht nur für auswärtige Besucher, sondern auch für Einheimische ein familiärer Traditionsbetrieb war, soll nun für ein paar Neubauten geopfert werden?

Das Haus befindet sich, jedenfalls äußerlich, in einem guten dem Alter entsprechenden, originalen Zustand. Selbst wenn das Gebäude nicht Denkmalschutz-würdig sein sollte, so ist es doch ein WAHRZEICHEN für ganze Generationen geworden, denn jeder, der seit fast 150 Jahren von Ettlingen aus durchs Albtal in den Ort einfährt, kommt daran vorbei.

Natürlich muss man auch den oder die Besitzer von Grundstück und vorhandenen Gebäulichkeiten verstehen. Die Leute haben sicher ihre triftigen Gründe, das Anwesen zu veräußern. Man sollte das respektieren. Universallösungen für diese Art von Problematik gibt es sicher nicht.

Deshalb erwarte ich von der Stadtverwaltung alles dafür zu tun, um herausragende Bauten einer neuen Verwendung zuzuführen.

 

Ich denke da jetzt nicht an die Einquartierung von Flüchtlingen und Asylanten. Das ist ein anderes Thema. Auch ist es nicht meine Aufgabe auszuloten, ob es irgendwelche Möglichkeiten für Kompromisse bei der Bebauung des Areals gibt.

Jedenfalls sollte der ERHALT der beiden historischen Bauten an der Ettlinger Straße ganz oben auf der Agenda stehen. Im Moment weiß leider niemand, ob die Verantwortlichen überhaupt etwas in dieser Richtung getan haben oder tun wollen. Da das die entscheidende Frage ist, rate ich den Bürgern, die weitere Vorgehensweise genau zu beobachten.

Meine Meinung: Funktionierende Bauten, die solch lange Zeit das Stadtbild geprägt haben, darf man nicht einfach abreißen!

Tut man es dennoch - wie schon vielfach geschehen - beraubt man Bad Herrenalb eines weiteren Stückes seiner Identität.

Deshalb: NEIN zum geplanten Abriss des Kühlen Brunnens!

 
 
   
 
Abgesang... oder gibt es noch Möglichkeiten für den Erhalt des Kühlen Brunnens?
Eigene Aufnahme von 2021.
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